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Kellerei

- Alle Bilder Copyright by Martin Herz, Michelstadt, www.martin-herz.com
Die Kellerei (ehem. "Michelstädter Burg")
Die Michelstädter Burg gilt als Keimzelle des alten Michelstadt. Wahrscheinlich befand sich hier der Edelhof des fränkischen Königsgutes, das im Jahr 741 erwähnt ist. Vielleicht hatte Einhard in Diensten von Kaiser Karl dem Großen diesen Edelhof kennen gelernt, da bei der Schenkung der Mark Michelstadt an Einhard sein eigener Wunsch eine entscheidende Rolle gespielt hat. Als er 828 nach Seligenstadt übersiedelte, blieb ihm der Besitz im Odenwald als Einnahmequelle erhalten.
In den Annalen des Klosters Lorsch, das im Jahre 840 das Erbe von Einhard angetreten hatte, lesen wir im 10. Jahrhundert, dass Abt Gerbodo (951-972) im "Castellung Michlinstat" ein steinernes Haus baute. Es kann angenommen werden, dass der einstige Königshof zu dieser Zeit bereits ein befestigter Stützpunkt war. Die Art der Steinbearbeitung am Mauerwerk der Nordseite (dem sogenannten Storchenwinkel) mit den lagenweise geschichteten großen und kleinen Steinen lässt darauf schließen, dass diese Mauer aus jener Zeit stammt.
Kellereihof
Nach der bereits erwähnten Zerstörung der Burg im Jahre 1307 und dem anschließenden Wiederaufbau wurde beim Bau der Stadtmauer sowohl die Burg als auch der Diebsturm in die Verteidigungsanlage einbezogen. Die Entstehungszeit der heutigen Gebäudegruppe ist durch die eingemeißelten Jahreszahlen 1506,1517,1620 gekennzeichnet. So wurde an den spätgotischen Speicherbau, der durch seine schönen Treppengiebel auffällt, im Jahre 1539 unter Graf Georg I. zu Erbach eine überdachte Freitreppe angebaut.
Kellerei mit Burggraben um 1950
Der nördliche Flügel der ehemaligen Burganlage ist das frühere Amtshaus, in dem der gräfliche Verwaltungsbeamte, der "Keller" seinen Sitz hatte. Hiervon leitet sich der Name "Kellerei" ab, der seit 1532 für das Anwesen verwendet wird.
Seit die Kellerei 1970 in den Besitz der Stadt Michelstadt überging, wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten vorgenommen. Die bisher wichtigste Maßnahme war hierbei die Einrichtung des Odenwaldmuseums in der ehemaligen Zehntscheune, in der einst der gräfliche Zehnt gelagert wurde. Im Gewölbekeller der Zehntscheune wurde der sogenannte "Schenkenkeller" eingerichtet, der für Veranstaltungen verschiedenster Art zur Verfügung steht und wegen seiner besonderen Akustik gerne für musikalische Darbietungen genutzt wird.
Im Untergeschoss des Amtshauses befinden sich zwei Bildhauerateliers (Andrea Klinger - Form und Feld; Sieglinde Gros - Bildhauerei) und das zum Odenwaldmuseum gehürende Lapidarium, in dem steinerne Zeugen der Vergangenheit aus der näheren Umgebung ausgestellt sind. Im Süflügel neben dem gotischen Torbogen des Torhauses befindet sich die Kunstdrechslerei von Florian Scharf. Sie können den Künstlern beim Arbeiten über die Schulter schauen und Exponate käuflich erwerben.
